"Ja, wo ist er denn hin?" Wie ein Maibaum-Diebstahl die Radstädter Bevölkerung beschäftigt

Traditionell wird zum 1. Mai in den Dörfern der Region Ennspongau ein Maibaum aufgestellt. Ein Brauch, der im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt ist, jedoch gerade hier im Süden Pongaus einen sehr hohen Stellenwert hat. Umso mehr freute sich die Radstädter Bevölkerung auf die Maifeier, die für Sonntag, 1. Mai, angekündigt wurde. Scheinbar hatte das Wetter einen Strich durch die Rechnung, bzw Planung, gemacht – der Stadtplatz blieb den ganzen Tag verwaist. Aus dem Maibaumaufstellen wurde nichts. Warum, das ist nicht bekannt.
IMG_0083Kurzerhand entschloss sich eine Gruppe von jungen motivierten Menschen, die Tradition hochzuhalten, und besorgte einen Maibaum – eine Spende aus dem Taurachtal. Michael, einer der jungen motivierten Menschen, beschreibt stolz den Maibaum: „Ein junger fescher Baum, der noch in der Blüte seines Lebens steht!“ Mit schwerem Geschütz – ein mobiler Autokran und ein leistungsstarker Fendt-Traktor mussten herhalten – und mit vereinten Kräften und schließlich mit reiner Manneskraft schaffte es der Baum in die Höhe.
Mittlerweile hatte sich auch zahlreiches, fröhliches Publikum eingefunden, das bei Live-Musik und kühlem Bier ausgelassen um den Baum tanzte und feierte. „So einen schönen Baum hat Radstadt wohl noch nie gesehen“, so einer der Besucher. Michael ergänzt: „Das ist garantiert der kleinste Maibaum in der ganzen Region! Radstadt kann stolz darauf sein!“
Aufgrund der Tatsache, dass der obere und untere Stadtplatz mit Webcams gut bewacht ist, wähnte man sich in Sicherheit und verließ nach Einbruch der Dunkelheit das Festgelände. Schließlich könne nun jeder den Maibaum in voller Pracht bewundern, so eine Besucherin, die stolz darauf war, bei diesem tollen Festakt dabeigewesen zu sein. Die Freude währte jedoch nur kurz. Am Montagmorgen stellte das junge motivierte, nun etwas niedergeschlagene Team von jungen Menschen fest, dass der Maibaum gestohlen worden war. „Mit dem hätten wir nie gerechnet!“, so Michael, der sofort EnnsPongON verständigte und um einen Aufruf bat.

Wer hat unseren Maibaum gesehen?“

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Insgesamt über 5.000 Menschen aus der Region erfuhren am selben Tag von dem schweren Maibaum-Diebstahl und bekundeten ihr Entsetzen direkt via Facebook. Und auch der erste sachdienliche Hinweis ließ nicht lange auf sich warten: „Steht am Bauhof Radstadt! Die Gemeinde erteilt sicher genauere Auskunft! Hab die Diebe persönlich gesehen!“
Die jungen motivierten, dann niedergeschlagenen, nun erleichterten jungen Menschen aus Radstadt folgten dem Hinweis und konnten durch den Zaun tatsächlich einen Blick auf den Maibaum erhaschen. Eine Lösegeld- oder Auslösungsforderung ist bislang nicht eingegangen und auch der Radstädter Stadtplatz ist immer noch ohne Maibaum. Ein Fall, der wohl noch länger die Bevölkerung beschäftigen wird. Wir bleiben dran!